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Ratgeber·Aktualisiert 15.10.2026

Welcher Akku für den Elektro-Außenborder? Lithium, AGM oder Gel im Vergleich

Kurz gesagt

  • Für die meisten Trolling-Motoren reicht ein 12-V-LiFePO4-Akku mit 100 Ah. Ein 24-V-Motor braucht zwei gleiche 12-V-Akkus in Reihe oder einen 24-V-Lithium-Akku.
  • Lithium (LiFePO4) kostet beim Kauf etwas mehr als AGM, wiegt aber weniger als die Hälfte und liefert bei gleicher Ah-Zahl ungefähr doppelt so lange Strom.
  • Vor dem Kauf prüfen: Erlaubt der Motorhersteller Lithium-Akkus, und hast du ein passendes Ladegerät?

1. Zuerst die Spannung: 12, 24 oder 48 Volt?

Die Spannung gibt der Motor vor, nicht der Akku. Kleine und mittlere Trolling-Motoren laufen mit 12 V. Stärkere Modelle, meist ab etwa 80 lbs Schub, brauchen 24 V (es gibt aber auch bürstenlose 12-V-Modelle mit über 100 lbs). Dafür schaltest du zwei gleiche 12-V-Akkus in Reihe: Plus des einen an Minus des anderen. Die Spannung verdoppelt sich, die Ah-Zahl bleibt gleich.

Ein 24-V-Akku an einem 12-V-Motor kann den Motor zerstören. Umgekehrt läuft ein 24-V-Motor an 12 V nur mit stark reduzierter Leistung oder gar nicht.

Größere Außenborder wie ePropulsion Navy 3.0 Evo, Torqeedo Cruise 3.0 T (48 V) oder Mercury Avator 20e arbeiten mit 48 V und werden in der Regel mit den Systemakkus des Herstellers betrieben. Motoren mit eingebautem Akku wie der Torqeedo Travel 3 PS oder der ePropulsion Spirit 1.0 Evo bringen ihren Akku gleich mit. Dieser Ratgeber dreht sich deshalb vor allem um 12- und 24-V-Motoren.

2. Ah, Wh und was davon wirklich nutzbar ist

Die Energie eines Akkus in Wattstunden ergibt sich aus Spannung mal Kapazität: 12 V × 100 Ah = 1.200 Wh. Auf dem Etikett steht aber nicht, wie viel davon du wirklich nutzen kannst. Hier unterscheiden sich die Akkutypen stark:

Unterm Strich liefert ein 100-Ah-LiFePO4-Akku in der Praxis etwa doppelt so viel nutzbare Energie wie ein 100-Ah-AGM-Akku, bei Vollgas sogar mehr.

3. Lithium, AGM, Gel oder Nassbatterie im Vergleich

LiFePO4 (Lithium)AGMGelNassbatterie (Blei-Säure)
Nutzbare Kapazitätca. 90 %ca. 50 %ca. 50 %ca. 50 %
Gewicht 12 V 100 Ahca. 9–11 kgca. 20–30 kgähnlich wie AGMähnlich wie AGM
Preis 12 V 100 Ah (Okt. 2026)ca. 130–350 €ca. 115–170 €meist teurer als AGMam günstigsten
Ladezyklenmehrere tausendeinige hundertetwas mehr als AGMeinige hundert
Verlust bei hohem Stromkaumdeutlichetwas mehr als AGMam stärksten
Im Bootwartungsfrei, auslaufsicherwartungsfrei, auslaufsicherwartungsfrei, auslaufsicherkann auslaufen und gasen – im kleinen Boot nicht empfehlenswert

Preise und Gewichte: Spanne gängiger 12-V-100-Ah-Akkus bei deutschen Händlern, Stand Oktober 2026. Zyklenzahlen sind Herstellerangaben und hängen stark von Entladetiefe und Temperatur ab.

Vor ein paar Jahren war Lithium noch ein Luxus. Heute kostet ein ordentlicher 100-Ah-LiFePO4-Akku oft nur rund 100 € mehr als ein AGM-Akku. Pro nutzbarer Kilowattstunde zahlst du beim Kauf ungefähr gleich viel – der Lithium-Akku übersteht aber ein Vielfaches an Ladezyklen und ist auf Dauer deutlich günstiger.

4. Wie lange hält ein 100-Ah-Akku?

Die Tabelle zeigt die Laufzeit beliebter Trolling-Motoren mit stufenloser Regelung und einem 100-Ah-Akku: bei Vollgas und bei 70 % der Höchstgeschwindigkeit. Bei 70 % Tempo braucht der Motor nur noch etwa ein Drittel der Leistung, weil der Wasserwiderstand mit der Geschwindigkeit stark ansteigt.

MotorLeistungAkkuVollgas
Lithium
Vollgas
AGM
70 % Tempo
Lithium
70 % Tempo
AGM
Minn Kota Endura Max 45504 W12 V 100 Ah1:56 h0:52 h5:56 h2:58 h
Zebco Rhino BLX 60 V2500 W12 V 100 Ah1:57 h0:52 h5:59 h2:59 h
Haswing Protruar 1.0600 W12 V 100 Ah1:36 h0:42 h4:56 h2:25 h
Haswing Protruar 2.0960 W24 V 100 Ah (2 × 12 V)2:02 h0:55 h6:14 h3:08 h

Berechnet mit unserem Akku-Rechner. Wind, Strömung, Beladung und Akkuzustand verändern die Werte stark – plane immer eine Reserve ein. Motoren mit Stufenschaltung (z. B. 5 Vorwärtsstufen ohne elektronische Regelung) sparen in Teillast weniger Strom; bei ihnen ist die Laufzeit bei 70 % Tempo kürzer als hier angegeben.

Faustregel: Wie viel Ah brauche ich?

Nimm den maximalen Strom deines Motors (steht im Datenblatt) und überlege, wie lange und wie schnell du fahren willst. Ein Beispiel mit dem Haswing Protruar 1.0 (max. 50 A), der 4 Stunden bei 70 % Tempo laufen soll:

  1. Strom bei 70 % Tempo: etwa ein Drittel von 50 A ≈ 17 A.
  2. Für 4 Stunden: 4 h × 17 A = 68 Ah, die du wirklich entnehmen musst.
  3. Mit Lithium (90 % nutzbar): 68 Ah ÷ 0,9 ≈ 76 Ah → ein 100-Ah-LiFePO4 reicht mit Reserve.
  4. Mit AGM (50 % nutzbar, plus Verlust durch hohen Strom): 68 Ah ÷ 0,5 = 136 Ah und mehr → zwei 100-Ah-AGM-Akkus parallel, also rund 40–60 kg Akku.

Für deinen eigenen Motor und dein Boot rechnet der Akku-Rechner das genauer aus.

5. Gewicht: im Schlauchboot wichtiger als gedacht

Ein 100-Ah-AGM-Akku wiegt 20 bis 30 kg, ein LiFePO4-Akku mit gleicher Ah-Zahl etwa 10 kg – und liefert dabei doppelt so viel nutzbare Energie. Für die gleiche Fahrzeit schleppst du mit Blei also gut und gern das Vier- bis Fünffache an Gewicht. Das merkst du beim Tragen vom Auto zum Wasser, aber auch auf dem Wasser: Ein leichteres Boot liegt höher im Wasser und fährt mit derselben Energie weiter.

6. Laden: das passende Ladegerät

7. Checkliste vor dem Kauf

Fazit

Für fast alle Trolling-Motoren ist ein 12-V-LiFePO4-Akku mit 100 Ah heute die beste Wahl: leicht, langlebig und auf Dauer günstiger als Blei. AGM lohnt sich nur noch, wenn das Budget sehr knapp ist, das Gewicht keine Rolle spielt oder der Motorhersteller Lithium ausschließt.

Wie lange dein Motor mit deinem Akku fährt, siehst du im Akku-Rechner. Alle Motoren mit Daten findest du in der Motor-Übersicht.