Kurz gesagt
- Für die meisten Trolling-Motoren reicht ein 12-V-LiFePO4-Akku mit 100 Ah. Ein 24-V-Motor braucht zwei gleiche 12-V-Akkus in Reihe oder einen 24-V-Lithium-Akku.
- Lithium (LiFePO4) kostet beim Kauf etwas mehr als AGM, wiegt aber weniger als die Hälfte und liefert bei gleicher Ah-Zahl ungefähr doppelt so lange Strom.
- Vor dem Kauf prüfen: Erlaubt der Motorhersteller Lithium-Akkus, und hast du ein passendes Ladegerät?
1. Zuerst die Spannung: 12, 24 oder 48 Volt?
Die Spannung gibt der Motor vor, nicht der Akku. Kleine und mittlere Trolling-Motoren laufen mit 12 V. Stärkere Modelle, meist ab etwa 80 lbs Schub, brauchen 24 V (es gibt aber auch bürstenlose 12-V-Modelle mit über 100 lbs). Dafür schaltest du zwei gleiche 12-V-Akkus in Reihe: Plus des einen an Minus des anderen. Die Spannung verdoppelt sich, die Ah-Zahl bleibt gleich.
Ein 24-V-Akku an einem 12-V-Motor kann den Motor zerstören. Umgekehrt läuft ein 24-V-Motor an 12 V nur mit stark reduzierter Leistung oder gar nicht.
Größere Außenborder wie ePropulsion Navy 3.0 Evo, Torqeedo Cruise 3.0 T (48 V) oder Mercury Avator 20e arbeiten mit 48 V und werden in der Regel mit den Systemakkus des Herstellers betrieben. Motoren mit eingebautem Akku wie der Torqeedo Travel 3 PS oder der ePropulsion Spirit 1.0 Evo bringen ihren Akku gleich mit. Dieser Ratgeber dreht sich deshalb vor allem um 12- und 24-V-Motoren.
2. Ah, Wh und was davon wirklich nutzbar ist
Die Energie eines Akkus in Wattstunden ergibt sich aus Spannung mal Kapazität: 12 V × 100 Ah = 1.200 Wh. Auf dem Etikett steht aber nicht, wie viel davon du wirklich nutzen kannst. Hier unterscheiden sich die Akkutypen stark:
- Blei-Akkus (AGM, Gel, Nassbatterie) solltest du nur etwa zur Hälfte entladen. Tiefere Entladung verkürzt ihre Lebensdauer deutlich. Von 100 Ah bleiben also rund 50 Ah.
- LiFePO4-Akkus kannst du zu etwa 90 % nutzen. Das eingebaute Batteriemanagement (BMS) schützt vor Tiefentladung.
- Hoher Strom kostet Blei-Akkus zusätzlich Kapazität (Peukert-Effekt). Die Ah-Angabe gilt meist für eine Entladung über 20 Stunden, bei 100 Ah also für 5 A. Ein Trolling-Motor zieht bei Vollgas aber je nach Modell 30 bis über 70 A. Dann liefert ein AGM-Akku spürbar weniger, ein Lithium-Akku fast seine volle Kapazität.
Unterm Strich liefert ein 100-Ah-LiFePO4-Akku in der Praxis etwa doppelt so viel nutzbare Energie wie ein 100-Ah-AGM-Akku, bei Vollgas sogar mehr.
3. Lithium, AGM, Gel oder Nassbatterie im Vergleich
| LiFePO4 (Lithium) | AGM | Gel | Nassbatterie (Blei-Säure) | |
|---|---|---|---|---|
| Nutzbare Kapazität | ca. 90 % | ca. 50 % | ca. 50 % | ca. 50 % |
| Gewicht 12 V 100 Ah | ca. 9–11 kg | ca. 20–30 kg | ähnlich wie AGM | ähnlich wie AGM |
| Preis 12 V 100 Ah (Okt. 2026) | ca. 130–350 € | ca. 115–170 € | meist teurer als AGM | am günstigsten |
| Ladezyklen | mehrere tausend | einige hundert | etwas mehr als AGM | einige hundert |
| Verlust bei hohem Strom | kaum | deutlich | etwas mehr als AGM | am stärksten |
| Im Boot | wartungsfrei, auslaufsicher | wartungsfrei, auslaufsicher | wartungsfrei, auslaufsicher | kann auslaufen und gasen – im kleinen Boot nicht empfehlenswert |
Preise und Gewichte: Spanne gängiger 12-V-100-Ah-Akkus bei deutschen Händlern, Stand Oktober 2026. Zyklenzahlen sind Herstellerangaben und hängen stark von Entladetiefe und Temperatur ab.
Vor ein paar Jahren war Lithium noch ein Luxus. Heute kostet ein ordentlicher 100-Ah-LiFePO4-Akku oft nur rund 100 € mehr als ein AGM-Akku. Pro nutzbarer Kilowattstunde zahlst du beim Kauf ungefähr gleich viel – der Lithium-Akku übersteht aber ein Vielfaches an Ladezyklen und ist auf Dauer deutlich günstiger.
4. Wie lange hält ein 100-Ah-Akku?
Die Tabelle zeigt die Laufzeit beliebter Trolling-Motoren mit stufenloser Regelung und einem 100-Ah-Akku: bei Vollgas und bei 70 % der Höchstgeschwindigkeit. Bei 70 % Tempo braucht der Motor nur noch etwa ein Drittel der Leistung, weil der Wasserwiderstand mit der Geschwindigkeit stark ansteigt.
| Motor | Leistung | Akku | Vollgas Lithium | Vollgas AGM | 70 % Tempo Lithium | 70 % Tempo AGM |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Minn Kota Endura Max 45 | 504 W | 12 V 100 Ah | 1:56 h | 0:52 h | 5:56 h | 2:58 h |
| Zebco Rhino BLX 60 V2 | 500 W | 12 V 100 Ah | 1:57 h | 0:52 h | 5:59 h | 2:59 h |
| Haswing Protruar 1.0 | 600 W | 12 V 100 Ah | 1:36 h | 0:42 h | 4:56 h | 2:25 h |
| Haswing Protruar 2.0 | 960 W | 24 V 100 Ah (2 × 12 V) | 2:02 h | 0:55 h | 6:14 h | 3:08 h |
Berechnet mit unserem Akku-Rechner. Wind, Strömung, Beladung und Akkuzustand verändern die Werte stark – plane immer eine Reserve ein. Motoren mit Stufenschaltung (z. B. 5 Vorwärtsstufen ohne elektronische Regelung) sparen in Teillast weniger Strom; bei ihnen ist die Laufzeit bei 70 % Tempo kürzer als hier angegeben.
Faustregel: Wie viel Ah brauche ich?
Nimm den maximalen Strom deines Motors (steht im Datenblatt) und überlege, wie lange und wie schnell du fahren willst. Ein Beispiel mit dem Haswing Protruar 1.0 (max. 50 A), der 4 Stunden bei 70 % Tempo laufen soll:
- Strom bei 70 % Tempo: etwa ein Drittel von 50 A ≈ 17 A.
- Für 4 Stunden: 4 h × 17 A = 68 Ah, die du wirklich entnehmen musst.
- Mit Lithium (90 % nutzbar): 68 Ah ÷ 0,9 ≈ 76 Ah → ein 100-Ah-LiFePO4 reicht mit Reserve.
- Mit AGM (50 % nutzbar, plus Verlust durch hohen Strom): 68 Ah ÷ 0,5 = 136 Ah und mehr → zwei 100-Ah-AGM-Akkus parallel, also rund 40–60 kg Akku.
Für deinen eigenen Motor und dein Boot rechnet der Akku-Rechner das genauer aus.
5. Gewicht: im Schlauchboot wichtiger als gedacht
Ein 100-Ah-AGM-Akku wiegt 20 bis 30 kg, ein LiFePO4-Akku mit gleicher Ah-Zahl etwa 10 kg – und liefert dabei doppelt so viel nutzbare Energie. Für die gleiche Fahrzeit schleppst du mit Blei also gut und gern das Vier- bis Fünffache an Gewicht. Das merkst du beim Tragen vom Auto zum Wasser, aber auch auf dem Wasser: Ein leichteres Boot liegt höher im Wasser und fährt mit derselben Energie weiter.
6. Laden: das passende Ladegerät
- LiFePO4 braucht ein Ladegerät mit Lithium- bzw. LiFePO4-Programm (bei 12 V meist 14,2–14,6 V Ladeschlussspannung). Blei-Ladeprogramme mit Desulfatierungs- oder Ausgleichsladung sind für Lithium ungeeignet.
- Nicht unter 0 °C laden: Normale LiFePO4-Akkus dürfen bei Frost nicht geladen werden. Modelle mit eingebauter Heizung können auch bei Frost laden; ein Niedertemperaturschutz sperrt das Laden dagegen nur und verhindert so Schäden – wichtig, wenn du im Winter angelst.
- AGM und Gel nach jeder Fahrt bald wieder voll laden. Bleiben sie halb leer stehen, verlieren sie dauerhaft Kapazität (Sulfatierung).
7. Checkliste vor dem Kauf
- Erlaubt der Motor Lithium? Die meisten Trolling-Motoren laufen problemlos mit LiFePO4, manche Hersteller schließen Lithium aber ausdrücklich aus – zum Beispiel Miganeo beim Miganeo TRS 86 (24 V). Ein Blick in die Anleitung lohnt sich.
- BMS-Dauerstrom: Der zulässige Dauerstrom des Lithium-Akkus muss über dem maximalen Strom deines Motors liegen, am besten mit Reserve. Sonst schaltet das BMS bei Vollgas ab.
- Sicherung: Eine Sicherung oder ein Sicherungsautomat gehört nah an den Pluspol, in der vom Motorhersteller empfohlenen Größe (meist etwas über dem maximalen Motorstrom). Dazu ein ausreichender Kabelquerschnitt.
- Zwei Akkus in Reihe (24 V): immer gleicher Typ, gleiche Kapazität, gleiches Alter. Bei Lithium muss der Hersteller die Reihenschaltung erlauben, und beide Akkus werden vorher einzeln voll geladen.
- Befestigung: Akku in einer Batteriebox oder fest verzurrt, damit er bei Wellen nicht rutscht.
Fazit
Für fast alle Trolling-Motoren ist ein 12-V-LiFePO4-Akku mit 100 Ah heute die beste Wahl: leicht, langlebig und auf Dauer günstiger als Blei. AGM lohnt sich nur noch, wenn das Budget sehr knapp ist, das Gewicht keine Rolle spielt oder der Motorhersteller Lithium ausschließt.
Wie lange dein Motor mit deinem Akku fährt, siehst du im Akku-Rechner. Alle Motoren mit Daten findest du in der Motor-Übersicht.